WIR DACHTEN MIT LIEBE GEHT DAS - Wenn Angehörige an Depression erkranken

Ein Film von Gerhard Schick

Wenn die Partner, die Eltern oder die Geschwister depressiv werden, gerät auch das eigene Leben aus den Fugen. Depression löst Hilflosigkeit und tiefe Ängste aus, verlangt aber auch oft nach harten Entscheidungen: Bleibe ich oder gehe ich? Kann ich die Verbindung zu dem geliebten Menschen weiterführen? Vernachlässige ich mein eigenes Leben oder nehme ich es endlich in die Hand?

Seitdem Nils Rücker denken kann, war seine Mutter depressiv. Die ganze Familie litt unter ihrer Krankheit, über Monate hinweg verschwand sie - für das Kind Nils ins Ungewisse. Er dachte immer wieder, sie käme nie mehr zurück. Heute weiß er, dass sie in einer Klinik war.

Bevor Teresa Enke wusste, was Depression wirklich bedeutet, hat sie fest daran geglaubt, dass sie und Robert es mit Liebe schaffen würden. Bis der berühmte Torwart sich vor zehn Jahren das Leben nahm.

Die 24-jährige Katharina Mihm konnte sich ein unbeschwertes Leben bisher kaum vorstellen, denn ihre ältere Schwester ist an Depression erkrankt. Immer wenn sie Alarm schlug, war Katharina für sie da, bis zur Aufopferung. Auch in der Familie drehte es sich immer um die Schwester, für Katharinas Sorgen hatten die Eltern keine Kapazitäten mehr. Dabei hätte auch sie ein offenes Ohr dringend gebraucht. Um sich selbst zu schützen, geht sie auf Distanz, indem sie zum Studium nach Köln zieht. Seitdem geht es ihr besser, aber um die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz ringt sie immer noch.

Jeden Mittwochabend fährt die 82-jährige Susanne Heim durch die halbe Stadt, um den Gesprächskreis von Angehörigen psychisch kranker Menschen zu leiten. Sie kommen dorthin, um einander zuzuhören und um zu reden. In dieser Runde wird klar, dass Angehörige ihre ganz eigenen, oft übersehenen, aber schwerwiegenden Probleme haben. Sie können nicht zum Arzt gehen, denn sie sind nicht krank. Aber sie sind von den Krankheiten ihrer Partner, Kinder, Geschwister massiv betroffen. Freunde wollen diese Geschichten oft nicht hören, und die Erkrankten selbst sind die falsche Adresse. Im Kreis fühlen sie sich verstanden, und es kommen Woche für Woche ungeschönte Geschichten auf den Tisch. Susanne Heim leitet diesen Kreis mit ihrer Erfahrung, der Autorität ihres Alters und viel Mitgefühl. Dennoch wird sie nicht müde zu betonen, dass die Angehörigen sich auf ihre eigenen Bedürfnisse konzentrieren müssen, auch wenn dies bedeutet, Verantwortung für die eigenen Familienmitglieder abzugeben und vielleicht sogar den Kontakt zu ihnen zu verlieren.

Nils Rücker will es nach einer gescheiterten Beziehung endlich schaffen, die eigene Familie mit dem neu geborenen Kind durch ein Leben ohne Abgründe zu führen. Teresa Enke hat eine Stiftung für den Kampf gegen die Volkskrankheit Depression gegründet, die gerade ein Virtual-Reality-Projekt entwickelt hat, mit dem man erleben kann, wie es im Kopf von depressiven Menschen aussieht. Katharina Mihm kämpft um die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu ihrer erkrankten Schwester. Alle werden durch die Konfrontation mit der Krankheit dazu gezwungen, sich mit existentiellen Fragen auseinanderzusetzen. Wie ist es um das Verhältnis zu meinen Nächsten bestellt? Muss ich zu ihr / zu ihm stehen, auch wenn es mein eigenes Leben zu zerstören droht?

Buch & Regie: Gerhard Schick

Schnitt: Anika Simon
Kamera: Henning Drechsler
Ton: Sebastian Stahl
Musik: Markus Aust
Tonmischung: ping tonstudios Gerd Nesgen
Farbkorrektur: Dany Schelby
Mitarbeit: Monika Mack
Produzentin: Birgit Schulz
Producerin: Renate Werner
Redaktion: Christiane Mausbach

Eine Produktion der Bildersturm Filmproduktion im Auftrag des WDR

Erstausstrahlung: WDR / 12.03.2020, 22:40 –23:25 Uhr

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