ALLAH IN EHRENFELD
DER BAU DER KÖLNER MOSCHEE (AT)
Im innenstadtnahen Kölner Stadtteil Ehrenfeld wird ab Mitte 2007 die größte Moschee der Bundesrepublik gebaut. Bauherr und Finanzier ist die DITIB, die größte islamische Organisation in Deutschland, die nach eigenen Angaben mehr als eine Million der bundesweit 2,5 Millionen Muslime vertritt.
Den Zuschlag für den Bau, der 3000 Gläubigen Platz bieten soll, erhielten die bekannten Kirchenbaumeister Gottfried Böhm und sein Sohn Paul: Über einen rechteckigen Baukörper wird sich eine imposante halbtransparente und 27 Meter hohe Kuppel erheben, deren Glasoberfläche die Assoziation an gefaltete schützende Hände weckt, flankiert von zwei 55 Meter hohen Minaretten.
Doch in Ehrenfeld, einem dicht besiedelten und aufstrebenden Stadtteil, regt sich Gegenwehr. Die Bürgerbewegung Pro Köln möchte 20.000 Unterschriften sammeln, um den Bau der Moschee zu verhindern, die in ihren Augen zum sichtbaren Zeichen einer islamisch-orientierten Parallelgesellschaft werden und islamischen Extremisten als Zufluchtstätte dienen könnte. Und nicht zuletzt: Wie soll die Venloer Straße dem Verkehrschaos rund um das Freitagsgebet Herr werden?
Die Befürworter warnen vor derartigen Angstszenarien. Im Rat der Stadt hatten sich alle Fraktionen noch zu Beginn des Jahres 2006 für den Bau einer großen Moschee ausgesprochen. Alle sind sich einig: der Moscheeneubau sei eine "Chance für die Integration" der türkischen Gläubigen in die deutsche Gesellschaft. Bereits jetzt umfasst das DITIB-Zentrum, das sich am zukünftigen Bauplatz der Moschee befindet, zahlreiche unterschiedliche Einrichtungen. In den vergangenen 20 Jahren wurden hier 17.000 Personen aus 32 Ländern in Deutschkursen mit der Sprache ihres Gastlandes vertraut gemacht, und mehr als 40.000 Menschen durchliefen die verschiedenen Beratungsleistungen des Zentrums. Mit dem Neubau soll auch diese Arbeit der DITIB-Gemeinde weiter ausgebaut und verbessert werden.
Doch das Thema "Moschee in Ehrenfeld" wird selbst von liberal Denkenden und Altlinken kontrovers diskutiert: Würde die Moschee das fragile Gleichgewicht des multikulturellen Stadtteils aus dem Lot bringen? Die filmische Darstellung dieses vielschichtigen Themenkomplexes, sowie die Begleitung des Bauprojektes der Kölner Moschee ist als Langzeitbeobachtung angelegt, die mit der Fertigstellung des Bauwerks in etwa zwei bis drei Jahren enden soll.
Regie: Birgit Schulz, Gerhard Schick
Kamera: Steffen Bohn
Produktionsleitung: Monika Mack
Produzentin: Birgit Schulz
Redaktion: Sabine Rollberg (WDR/arte), Jutta Krug (WDR)

