


Gottfried Helnwein ist seit über 30 Jahren einer der umstrittensten, aber auch bekanntesten deutschsprachigen Künstler der Nachkriegszeit. Die renommiertesten Museen der Welt reißen sich derzeit um seine Bilder und seine Ausstellungen erzielen höchste Besucherzahlen.
Gottfried Helnwein ist ein Künstler kompromissloser Aussagen. Er thematisiert in seinen Bildern Manifestationen von Gewalt und Macht. Sein zentrales Thema ist das Kind als verletztes, gedemütigtes und missbrauchtes Wesen. Das bandagierte Kind als Märtyrerfigur verkörpert den unschuldigen, der Gewalt ausgelieferten, geopferten Menschen. Es schläft, richtet den Blick zu Boden oder schaut ins Leere.
Gottfried Helnwein hat sich zeitlebens als politisch reflektierter Künstler, der fortwährend das aktuelle und historische Weltgeschehen analysiert, mit dem nationalsozialistischen Erbe und den perfiden Mechanismen des Faschismus auseinandergesetzt. Seine Bilder sind ein andauernder Appell gegen das kollektive Verdrängen und Vergessen.
Helnwein vereint in seinem Werk extreme Gegensätze. Das Triviale, wie etwa die Disneykultur wechselt ab mit Untergangsvisionen der Seele; die göttliche Reinheit des Kindes kontrastiert mit Schreckensdarstellungen von Kindesmissbrauch. Gottfried Helnwein konfrontiert uns mit den dunklen Seiten menschlicher Natur. Jedoch malt er das Leid und das lautlose Sterben voll poetischer Schönheit.
Helnweins Fotografien und Gemälde verbinden die romantische Ästhetik eines Casper David Friedrichs, die radikale politische Haltung der Wiener Aktionisten und die Perfektion der Fotorealisten der 70er Jahre. Claudia Schmid und ihr Team beobachten Gottfried Helnwein filmisch über zwei Jahre sowohl bei seiner Arbeit als auch in seinem familiären Umfeld. Sie begleiten ihn bei einem Fotoshooting in die irische Bergwelt, filmen ihn in seinem Schloss in Irland und in seinem Atelier in L.A. und dokumentieren eine umfangreiche Retrospektive im "Lentos Museum".
Claudia Schmid versucht in ihrem Film, dem Betrachter nicht nur einen intensiven Einblick in die verschiedenen Schaffensphasen seiner meist überlebensgroßen Bilder zu vermitteln, sondern auch einen Zugang in die geistige Welt seiner Kunst und die zugrunde liegende Lebenshaltung.
Buch & Regie: Claudia Schmid
Kamera: Susu Grunenberg
Ton: Jens Krähnke
Schnitt: Kawe Vakil
Mischung: Christof Glade
Farbkorrektur: Dany Schelby
Produktionsleitung: Monika Mack
Produzentin: Birgit Schulz
Redaktion: Reinhard Wulf (WDR)